Anamnese - warum das Erstgespräch so wichtig ist?

Anamnese - warum das Erstgespräch so wichtig ist?

Egal ob Heilpraktiker für Psychotherapie, psychologischer Psychotherapeut, Psychologe oder Facharzt – den richtigen Ansprechpartner erkennen Sie daran, dass er sich beim ersten Termin viel Zeit nimmt, um Sie und Ihr Anliegen genau kennenzulernen.

Das ist nicht nur wichtig, um zu sehen, wie er Ihnen letztendlich helfen kann, sondern auch um zu entscheiden, ob er Ihnen helfen kann. Ein guter Therapeut kennt seine Kompetenzen – und seine Grenzen. Die menschliche Psyche ist wahnsinnig komplex und man kann nicht auf jedem Gebiet Fachmann sein.

Ein guter Therapeut würde das auch nicht für sich beanspruchen. Er weiß, wann es für den Patienten das Beste ist, dass er jemand anderes konsultiert und hat meist auch entsprechende Kontaktdaten parat oder kann jemanden empfehlen.

Um entscheiden zu können wobei, in welcher Form und ob überhaupt geholfen werden kann, ist eine ausführliche Anamnese unerlässlich. Welche Punkte werden hierbei im Allgemeinen abgefragt:

  • Die biografische Anamnese beinhaltet alle relevanten Informationen aus Ihrer persönlichen Lebensgeschichte.
  • Ihre Krankheitsgeschichte gibt Aufschluss über frühere Erkrankungen und erlaubt Rückschlüsse und mögliche Zusammenhänge.
  • Die soziale Anamnese enthält unter anderem Informationen zum Familienstand, dem Beruf und sonstigen soziale Rahmenbedingungen.
  • Die Familienanamnese ist wichtig, um festzustellen ob es Erbkrankheiten gibt – bei vielen psychischen Störungen wird immerhin eine gentische Komponente vermutet
  • Lassen Sie sich bei Fragen nach dem Konsum von Medikamenten, Drogen, Alkohol und sonstigen Rauschmitteln nicht verunsichern. Diese Frage ist wichtig, denn viele Substanzen haben eine große Auswirkung auf die psychische Verfassung und müssen daher (bestenfalls) ausgeschlossen werden.
  • Bei körperlichen Beschwerden ist es immer wichtig und unerlässlich, dass ein Arzt konsultiert wird. Körperliche Beschwerden können bei psychischen Störungen begleitend auftreten. Andererseits können organische Erkrankungen aber auch die Psyche beeinflussen, daher sind diese ebenfalls unbedingt auszuschließen. Der Therapeut wird Sie also nach eventuellen medizinischen Befunden fragen.

Ein wichtiger Teil des Erstgespräches ist natürlich auch die aktuelle Problematik bzw. Symptomatik. Zur Erhebung dieser Informationen nutzten unterschiedliche Therapeuten unterschiedliche Fragebögen, Systeme oder andere Hilfsmittel.

Ich habe mit dem AMDP-System die besten Erfahrungen gemacht, denn es beinhaltet alle wichtigen Symptomgruppen, die für einen vollständigen sogenannten psychopathologischen Befund wichtig sind.

Am Ende steht für den Therapeuten meist eine erste Verdachtsdiagnose, auf deren Grundlage er Ihnen mögliche Therapieansätze vorschlagen und erklären kann oder eben an einen Kollegen verweist. Er beantwortet Ihre offenen Fragen und sollten Sie sich für eine Therapie entscheiden, wird er mit Ihnen die Rahmenbedingungen klären. Am Ende ist es Ihre Entscheidung.

Eine erfolgreiche Therapie setzt auch eine tragfähige Beziehung zwischen Ihnen und dem Therapeuten voraus. Immerhin geht es um vertrauliche, wichtige Themen, die man nicht mit jedem teilen und besprechen, geschweige denn behandeln möchte.

Nutzen Sie also das Erstgespräch ebenfalls, um sich ein Bild von dem Therapeuten zu machen und zu sehen, ob Sie ihm vertrauen und mit ihm arbeiten wollen.

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