Schmerzen beim Geschlechtsverkehr - Dyspareunie

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr - Dyspareunie


Laut ICD-10 handelt es sich bei der Dyspareunie um brennende oder krampfartige Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr.

Um eine nichtorganisch bedingte Dyspareunie diagnostizieren zu können, müssen eine andere primäre nichtorganische Sexualstörung sowie organische Ursachen ausgeschlossen werden.

Die Dyspareunie tritt bei Männern ebenso auf – allerdings sehr viel seltener. Darum möchte ich mich in diesem Artikel auf die Dyspareunie bei Frauen konzentrieren.

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die “unerklärlichen” Schmerzen beim Geschlechtsverkehr eine Vielzahl organischer Ursachen haben können, d.h., sie werden durch Infektionen, Krankheiten, muskuläre Dysbalancen usw. verursacht. Auch die Einnahme von Medikamenten kann diese Störung begünstigen. Um eine Dyspareunie erfolgreich behandeln zu können, ist eine gründliche Untersuchung unerlässlich. Sprechen Sie Ihren Frauenarzt (oder ihre Frauenärztin) auf Ihre Beschwerden an. Er (oder sie) wird mit Ihnen über die körperlichen Zusammenhänge sprechen und entsprechende Maßnahmen einleiten. Werden die Schmerzen durch Hautkrankheiten, Pilzinfektionen, Blasenprobleme oder welche Ursache auch immer hervorgerufen, wird natürlich zunächst diese behandelt. Dann beobachten Sie gut, ob sich die Schmerzen einstellen, oder andauern. Und bitte: Gleitgel ist eine Übergangslösung und kann unterstützend benutzt werden  – es ist eine Symptombehandlung, keine Ursachenlösung.

Nicht selten kann eine Dyspareunie aufgrund von Verspannungen im Becken entstehen. Dauerhafte Anspannung kann unter anderem zu Durchblutungsstörungen führen, zu Scheidentrockenheit oder auch einem verengten Scheidenkanal. Dadurch kann das Eindringen des Penis zu Schmerzen und / oder Brennen führen. Ich bin keine Ärztin bzw. Fachfrau auf diesem Gebiet, deswegen lege ich Ihnen ans Herz, diese Aspekte abklären zu lassen. Normal sollte die Freude am Sex sein, nicht der Schmerz. Im Zusammenhang mit Verspannungen der Beckenmuskulatur kann es auch ratsam sein, zum Beispiel einen Osteopathen aufzusuchen, denn ein ganzheitlicher Blick auf den Körper ist immer der Monokausalität vorzuziehen.

Kommen wir nun zu den psychischen Einflussfaktoren. Sind alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen, kommt die Psyche zum Zug. Aber bitte bedenken Sie, die Psyche existiert nicht ohne den Körper – und andersherum. Psychischer Stress zum Beispiel kann zu muskulären Verspannungen führen. Das ist mittlerweile vielen bewusst. Häufig sind die psychischen Ursachen jedoch sehr viel subtiler und für unseren bewussten Verstand wenig greifbar.

Wenn das Thema Sex nun mit Schmerzen verbunden ist, lohnt sich zum Beispiel ein Blick auf die eigene sexuelle Lerngeschichte. Welche Gefühle sind damit verbunden? Ist Sex ein schambesetztes Thema? Welche Gedanken und Überzeugungen haben Sie im Bezug auf Sex? Es gibt zum Beispiel Frauen die nach wie vor glauben, dass Sex etwas ist, was in erster Linie der Befriedigung des Mannes dient. Oder die Schmerzen aushalten, weil Sie glauben, es gehört dazu. Wie war Ihre sexuelle Erziehung? Was haben Sie im Bezug auf Sex von Ihren Eltern oder auch Großeltern gelernt? Nicht nur traumatische Erlebnisse können später im Leben zu psychischen Herausforderungen führen. Wir alle sind beeinflusst durch einen Lernprozess und manchmal müssen wir feststellen, dass der eine oder andere Punkt für unser aktuelles Wohlbefinden nicht unbedingt zuträglich ist. Diese einschränkenden Muster und Glaubenssätze lassen sich in einer Therapie sehr gut heraus- und aufarbeiten. Empfehlenswert ist eine Therapie gemeinsam mit dem Partner, selbstverständlich nur, wenn dieser bereit dazu ist. Ein sexuelles Problem betrifft schließlich beide, auch wenn die Ursache “anscheinend” nur bei einem liegt. Oft ergänzen sich unbewusste Muster innerhalb einer Beziehung und führen nicht selten dazu, dass Symptome aufrechterhalten bleiben, obwohl das ja das Letzte ist, was man eigentlich will.

Darüber hinaus halte ich es gerade für Frauen für sehr wichtig, dass sie mit sich selbst und ihrer Sexualität (wieder) in Kontakt kommen. Wir haben in Bezug auf unsere Emanzipation sehr viele Fortschritte gemacht, doch leider hat ein nicht unbeachtlicher Teil der Frauen den Kontakt zur eigenen natürlichen Weiblichkeit verloren. Sexuelle Funktionsstörungen, zu denen auch die Dyspareunie zählt, treffen heute viel zu viele Frauen. Bevor ich aber jetzt noch zehn Seiten zu diesem Thema fülle, stehe ich Ihnen viel  lieber für ein persönliches Gespräch zur Verfügung. Mir ist es wichtig, nicht die Individualität außer Acht zu lassen. Außerdem ist Sexualität ein sehr persönliches Thema – sprechen Sie mich also sehr gern an. Ich würde mich freuen, Sie auf Ihrem Weg zu begleiten.


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