Buchtipp: Thema Borderline | Ich hasse dich - verlass mich nicht

Buchtipp: Thema Borderline | Ich hasse dich - verlass mich nicht

Ich hasse dich – verlass mich nicht – Die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit

Dr. med. Jerold J. Kreisman
Hal Straus
2012 Kösel-Verlag, München

Dr. med. Jerold J. Kreisman, Psychiater und einer der weltweit führenden Experten zur Borderline-Persönlichkeitsstörung und Hal Straus, Journalist und Autor, haben ein Buch geschrieben, welches nicht nur Fachleuten umfassende und nützliche Informationen bietet. Vielmehr ist dieses Buch auch ein Gewinn für Betroffene und deren Angehörige. Es bietet eine umfangreiche Beschreibung der Borderline-Persönlichkeit mit ihren Herausforderungen, beschreibt Hintergründe und Entstehungsgeschichte sowie Therapiemethoden. Ein Buch, dass Verständnis schafft, aufklärt und Vorurteile abbaut.

Mir fällt nach wie vor auf, dass das Wissen um die Borderline-Persönlichkeit häufig aus Fehlinformationen besteht. Das Laienwissen setzt sich oft zusammen aus Medienberichten über vermeintlich betroffene Promis oder einschlägige Hollywood-Streifen, die das Thema aufgreifen.

Beides wird den Betroffenen nicht gerecht. Anhand vieler Fallbeispiele bilden die Autoren ein Verständnis, was es bedeutet, Borderline-Betroffener zu sein. Sie veranschaulichen die verschiedenen Symptome und erklären einfach und verständlich, ohne medizinischen Fachjargon, wie ein Weg zur Heilung aussehen kann. Auch für Angehörige ist das Buch sehr zu empfehlen. Es bietet Kommunikationsstrategien und Weg für den Umgang mit Borderline-Persönlichkeiten, die das Zusammenleben erleichtern.

Einfach lesenswert.

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Psychische Belastungen - kleine Krise oder Anpassungsstörung?

Psychische Belastungen - kleine Krise oder Anpassungsstörung?

Ausnahmslos jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens mit Herausforderungen konfrontiert, die auch mit psychischen Belastungen einher gehen können. Ein beruflicher Neuanfang, ein Umzug, Liebeskummer, schwere Krankheiten oder der Verlust eines geliebten Menschen. Über die entsprechenden Bewältigungsstrategien zu verfügen macht den entscheidenden Unterschied, ob die Situation gemeistert wird oder eine Anpassungsstörung auftritt.
 
In der ICD-10 Kapitel V (F), der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen, wird die Anpassungsstörung wie folgt definiert:
 
„Hier handelt es sich um Zustände von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, die soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung, nach einem belastenden Lebensereignis oder bei Vorhandensein oder der drohenden Möglichkeit von schwerer körperlicher Krankheit auftreten.“

Merkmale der Störung sind

  • depressive Stimmung, Angst oder/und Besorgnis
  • Ein Gefühl, unmöglich zurechtkommen, vorausplanen oder in der gegenwärtigen Situation fortfahren zu können
  • Einschränkungen bei der Bewältigung der alltäglichen Routine
  • Ein Gefühl, als stehe man kurz vor einem dramatischen, emotionalen Ausbruch
  • Bei Jugendlichen Störungen des Sozialverhaltens
Die Diagnose ist sehr subjektiv und äußerst individuell, denn der Übergang von normalem Erleben und Verhalten hin zu einer psychischen Störung ist sehr fließend.
 
Trauer, Verzweiflung, Wut, Unsicherheit, Aufregung usw. sind zunächst natürlich völlig normale und verständliche emotionale Reaktionen. Sich zurückzuziehen, darüber nachzudenken oder schlecht zu schlafen sind in dem Rahmen auch zunächst keine pathologischen Verhaltensweisen. Gelingt es an dieser Stelle jedoch nicht, Möglichkeiten zu entwickeln, die neue, schwierige oder belastende Situation zu bewältigen, positive Zukunftsperspektiven zu entwickeln und sich neu zu orientieren, kann aus der psychischen Belastung eine Störung werden, die Unterstützung durch einen Therapeuten notwendig macht. 

Die Anpassungsstörung dauert zwar in der Regel nicht länger als 6 Monate, kann sich aber durch auftretende Ängste und depressive Symptome chronifizieren, in eine Angststörung oder Depression münden. Daher ist es wichtig, die Störung als solche zu erkennen und sich Hilfe zu suchen. Psychische Belastungen können jeden treffen. Fehlen Möglichkeiten, damit umzugehen ist es kein Zeichen von Schwäche, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Vielmehr zeugt es von einer gesunden Selbstreflektion und der Fähigkeit sich selbst einzugestehen, wenn man an einem bestimmten Punkt nicht allein weiterkommt.
 
Eine individuelle Therapie kann hier helfen, nützliche Bewältigungsstrategien zu entwickeln, die Situation aus einer anderen Perspektive neu zu bewerten und wieder optimistisch in die Zukunft zu schauen.
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Soziale Phobie - die Angst vor Menschen?

Soziale Phobie - die Angst vor Menschen?

Viele kennen wahrscheinlich diese Situation: Man ist auf eine Party eingeladen, auf der man kaum jemanden kennt. Man betritt den Raum, es herrscht schon ein reges Treiben. Man schaut sich um, verschafft sich einen Überblick, sucht nach dem Gastgeber.

Oder vielleicht folgende: Man sitzt im Wochenmeeting. Jeder spricht über die vergangenen Ereignisse aus seinem Bereich. Zahlen werden ausgewertet. Man hat sich vorbereitet und kennt den Ablauf genau. Ab und zu finden kurze Diskussionen statt. Dann ist man selbst an der Reihe.

Welche Gefühle steigen in Ihnen auf, wenn Sie sich diese Situationen vor Ihr inneres Auge führen? Aufregung? Ein mulmiges Gefühl? Nervosität? Vielleicht ein bisschen Angst?

Diese Gefühle sind in ungewohnten Situationen oder Situationen, denen wir eine gewisse Bedeutung zuschreiben erst einmal völlig normal. Neue Erfahrungen schärfen unsere Sinne, sorgen für Konzentration und Fokus. Wir wollen einen guten Eindruck machen und Kompetenz beweisen. Das Kribbeln im Bauch ist ein Zeichen dafür, dass uns etwas wichtig ist. Am Ende meistern wir die Situation, haben neue Leute kennengelernt und bei unserem Chef gepunktet. Häufig fragen wir uns dann „Warum hab ich vorher nur so viele Gedanken gemacht?“ und lachen darüber.

Nicht so bei Menschen, die unter sozialer Phobie leiden. Manchmal spricht man auch von der „Bewertungsangst“. Der Angst vor (negativer) Bewertung durch andere Menschen. Wenn die Betroffenen den oben beschriebenen Raum betreten, ist ihr Hemd schon schweißnass. Sie zittern und fangen vielleicht sogar an zu stottern, sofern Sie überhaupt etwas sagen. Ihre Gedanken kreisen nur um eine Frage: „Was denken die anderen von mir?“. Die Angst entsteht dann durch die gedankliche Beantwortung dieser Frage:

  • "Vermutlich halten Sie mich für dumm und ungeschickt."
  • "Ich krieg das nie im Leben auf die Reihe und alle werden mich auslachen."
  • "Jetzt wird gleich jeder merken, dass ich aufgeregt bin und mich für inkompetent halten."

Diese Gedanken machen ein ungutes Gefühl – logisch. Sie führen jedoch gleichzeitig auch zu einer Verstärkung der Symptome. Man landet in einem Teufelskreis.

Um solche Situationen folglich zu vermeiden und die Angst vor Menschen in den Griff zu kriegen entwickelt man eine Vielzahl an Strategien:

  • Man lässt sich anrufen (oder stellt ein automatisches Klingeln ein) sobald die gefürchtete Situation naht. Dann "muss" man "notgedrungen" ans Telefon gehen und kann so aus der Situation flüchten.
  • Man behält eine Jacke an, egal wie warm es ist, um das verschwitzte Shirt zu verbergen
  • Man hält sich an einem Glas oder an der Jack fest, um das Zittern zu verbergen.
  • Man vermeidet gänzlich öffentliche Auftritte und erfindet Ausreden.

Das sind ein paar Strategien, die häufig genutzt werden, um mit der Angst vor Menschen umzugehen. Leider führen Sie dazu, dass sich die Betroffenen einschränken. Dies kann sogar bis zu dem Ausmaß stattfinden, wo gar kein Sozialleben mehr vorhanden ist. Der Unterschied zu einer spezifischen Phobie ist leicht verständlich: 

Spinnen, das Fliegen oder Höhe zu vermeiden ist relativ einfach und gleichzeitig schränkt es die Lebensqualität nicht zwangsläufig ein – je nachdem welches Ausmaß die Phobie annimmt natürlich. Menschen sind allerdings überall, außer man lebt als Eremit auf einem Berg. Überall ist Kommunikation notwendig, überall wird Interaktion gefordert, überall trifft man auf Augenpaare. 

Das Vermeidungsverhalten in diesem Kontext führt irgendwann zu Einsamkeit, die Symptome in den entsprechend wiederkehrenden Situation zu Frust, Scham, Selbstzweifel und Ärger.

Das muss jedoch nicht sein!

Für die Behandlung der sozialen Phobie gibt es hervorragende Ansätze, die schnell wirksam sein und zu nachhaltigen Ergebnissen führen können. 

Durch eine Kombination von Entspannungsübungen, Stärkung von inneren Ressourcen, Arbeit an sozialen Kompetenzen und dem Selbstbewusstsein, sowie konkreten Verhaltensübungen haben Betroffene die Möglichkeit, ihre Angst vor Menschen tragfähig in den Griff zu kriegen, ohne sie länger unterdrücken zu müssen. Und die so neu gewonnene Energie steht für freudige Ereignisse, spannende Erlebnisse und eine Lebensgestaltung, so wie man es sich wünscht, zur Verfügung.

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Keine Lust auf Sex - sexuelle Unlust bei Frauen

Keine Lust auf Sex - sexuelle Unlust bei Frauen

Viele Frauen können nachvollziehen, wie belastend es ist, keine Lust auf Sex zu haben. Wenn man wollen will, aber nicht wollen kann. Dabei muss es nicht einmal an einer unbefriedigende Beziehung liegen. Viele stellen sich die Frage „Warum ist das so, ich bin doch zufrieden mit meinem Partner?“

Die Ursachen können sehr vielfältig sein:

Ein stressiger Alltag und Zeitmangel

Stress, egal ob beruflich oder privat, lässt kaum lustvolle Gefühle aufkommen. Unser Körper ist im Bereitschaftsmodus, stellt sich permanent auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion ein. Diese werden heutzutage zwar nicht mehr (oder nur sehr selten) ausgelebt, sind aber ein Überbleibsel aus unserer evolutionären Entwicklung, die wir nicht einstellen können. Wo keine Entspannung möglich ist, ist demzufolge auch keine Basis vorhanden, sexuelles Verlangen zu entwickeln. Die sexuelle Unlust ist gerade bei Frauen eine häufige Folge.

Angst, Scham oder Abneigung den eigenen Bedürfnissen gegenüber

Ich erlebe viele Frauen, die sich unwohl mit dem eigenen Verlangen fühlen. Jede Frau hat geheime sexuelle Wünsche und Vorstellungen. Manchmal widersprechen diese den gängigen Normen und der sexuellen Lerngeschichte. Um diese unterdrückten Wünsche und Impulse zu kontrollieren und bedeckt zu halten, flüchtet sich die Psyche irgendwann in sexuelle Unlust, ohne das es der Betroffenen wirklich bewusst ist.

Kommunikationsprobleme

Aus oben genannten Gründen fällt es vielen Frauen schwer, offen über Ihre Bedürfnisse zu sprechen. Vor allem aber der Partner sollte darüber Bescheid wissen. Nun kann es wiederum passieren, dass sich der Partner unter Druck gesetzt fühlt, selbst unsicher wird oder mit einer solchen Offenheit ebenfalls nicht umgehen könnte. Um eine daraus resultierende Beziehungskrise zu vermeiden, lässt man lieber alles beim Alten.

Ein verständnisvoller Partner

Ja, das kann durchaus ein Grund sein, warum das „Symptom“ aufrecht erhalten wird. Denn solange der Partner keinen Sex „einfordert“ und man sich bezüglich seiner Loyalität keine Gedanken machen braucht, ist die Notwendigkeit auch gering, das „Problem“ bewusst anzugehen. Darüber hinaus geht man in der Psychotherapie von „sexuellen Funktionsstörungen“ mittlerweile davon aus, dass ein Symptom durch beide Partner aufrechterhalten wird, nicht nur durch den oder die Symptomträger/in selbst. Ein Symptom bietet immer einen Vorteil für den Betroffenen, auch wenn das jetzt total verrückt klingt. Im partnerschaftlichen Kontext „profitieren“ also beide, von dem Symptom. In meiner Therapie liegt hier ein wichtiger Fokus. Beide Partner müssen die Hintergründe verstehen, um etwas verändern zu können.

Die veraltete Vorstellung von Weiblichkeit

Wir leben in einem Patriarchat, einer männlich dominierten Gesellschaft. Nun haben sich die Frauen ihre Emanzipation zwar hart erkämpft, haben sich aber dadurch die männlichen Qualitäten angeeignet. Wir haben heute viele starke Frauen, die Karriere machen, einen Haushalt führen, Kinder großziehen. Nur leider sind die ursprünglichen Qualitäten der Weiblichkeit wie Hingabe, Offenheit, Vertrauen usw. verloren gegangen. Weiblichkeit wird in diesem Rahmen leider immer noch als Schwäche gesehen. Kommen nun Mann und Frau zum Sexualakt, fällt es immer mehr Frauen schwer, die Kontrolle abzugeben. Die „bezwungenen“ Männern auf der anderen Seite wissen nicht mehr, wie sie die Kontrolle übernehmen. Es kommt zu unbefriedigendem Sex im besten Fall und zu sexuellen Funktionsstörungen im schlimmsten Fall. Und irgendwann hat man halt einfach „keine Lust auf Sex mehr“.

Einschränkende Moral- und Normvorstellungen

Viele Menschen haben einen kompletten Satz an Überzeugungen im Kopf, wie die Welt funktioniert, wie eine Frau oder ein Mann sein und sich benehmen sollte, was guter Sex ist, was sich gehört und was nicht. Häufig stehen sich die Betroffenen an der einen oder anderen Stelle damit aber selbst im Weg. Denn diese Überzeugungen sind häufig übernommen bzw. gelernt und wurden nie auf ihr Zutreffen geprüft. Wenn eine Frau z.B. gelernt hat, dass sie „zurückhaltend und anständig“ zu sein hat, dann gerät sie früher oder später in Konflikt mit dem Wunsch nach wildem, leidenschaftlichen Sex. Daraus können sich irgendwann Symptome wie sexuelle Unlust entwickeln.

Körperliche Ursachen wie Hormonstörungen können sicherlich auch eine Rolle spielen. Da die körperlichen Ursachen allerdings in den Kompetenzbereich eines Facharztes gehören, möchte ich auf diese hier nicht weiter eingehen.

Die sexuelle Unlust führt bei Frauen häufig zu

  • Frustration und Selbstzweifel
  • unbefriedigendem Sex
  • Angst, dass der Partner fremdgeht oder sie verlässt
  • und sicher einige mehr

Allein die ersten drei sind schon plausible Gründe, sich mit dem Thema näher auseinanderzusetzen. In einer Psychotherapie kann man die individuellen Gründe aufarbeiten und so relativ schnell eine Besserung erzielen.

Leider bekommen viele Frauen nicht die Chance, dieses Thema für sich zu lösen. Das Angebot an Therapeuten, die sich mit diesem Problem beschäftigen ist äußerst überschaubar und viele Frauen schämen sich, mit einer fremden Person über die eigene Sexualität zu sprechen.

Aus meiner Erfahrung weiß ich aber, dass alle Frauen, die diesen Schritt gegangen sind, sehr glücklich mit dieser Entscheidung sind. Sie haben sich auf den Weg eines Entwicklungsprozesses gemacht, der am Ende nicht nur Auswirkungen auf die Sexualität sondern auch andere wichtige Lebensbereiche hatte. Es lohnt sich also, sich mit der eigenen Sexualität und darüber hinaus mit der eigenen Weiblichkeit auseinanderzusetzen, um langfristig ein erfülltes Leben zu genießen. In vielerlei Hinsicht.

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